Ist denn schon Herbst?

06.09.2022

Wassermangel in Hessens Wäldern sorgt für spätsommerlichen Laubabwurf
Der anhaltende Wassermangel und die hohen Temperaturen bedeuten einen großen Stress für Bäume. In Bad Hersfeld zum Beispiel hat es laut wetterkontor.de in den Monaten Juni bis Ende August nur ein Drittel so viel Niederschlag gegeben, wie im langjährigen Mittel.
Ein Baum nimmt Wasser durch die Wurzeln und Kohlendioxyd über die Blätter auf und wandelt es mit Hilfe der Sonne in Holz um. Dabei stößt der Baum Wasserdampf und Sauerstoff durch kleine Spaltöffnungen in den Blättern wieder aus. Um nicht mehr Wasser zu verdunsten, als der ausgetrocknete Boden hergibt, verschließt der Baum an heißen Tagen seine Spaltöffnungen, eine reine Lebenserhaltungsmaßnahme. Um schließlich seine Ressourcen zu schonen, stößt der Baum seine Blätter ab. Dadurch kann er aber kein Holz mehr erzeugen, die Jahrringe bleiben schmal.
Normalerweise überlebt ein Baum einen trockenen Sommer ohne Probleme. Mehrere Jahre mit Wassermangel schwächen jedoch die Vitalität der Bäume erheblich. „Die gelegentlichen, kurzen Gewitterschauer haben so gut wie keinen Effekt auf den völlig ausgetrockneten Oberboden“ warnt Michelle Sundermann, Pressesprecherin von HessenForst.
Um den Wald an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen, begründet HessenForst zukunftsfähige Mischwälder mit einer Vielzahl von Baumarten, die auch mit weniger Wasser zurechtkommen. Dazu zählen die Forstleute beispielsweise Eichen, Ahorne, Eschen und Linden aber auch Kiefer und Douglasie. Außerdem setzen die Forstleute auf die natürliche Anpassungsfähigkeit von Bäumen und nicht zuletzt auf die rasche Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Für Rückfragen steht Ihnen die Pressestelle von HessenForst (0561/3167-167) gerne zur Verfügung.

Unser Wald im Klimawandel

07.12.2021

Wer mit offenen Augen durch unseren Wald geht, kann seit einiger Zeit fast überall ungewöhnlich viele geschädigte oder abgestorbene Bäume erkennen.

Waldflächen liegen brach, die dürren Reste abgestorbener Kiefern ragen in den Himmel, und auch Baumarten wie Buche und Birke sind sichtbar beschädigt. „Die Folgen der Stürme und die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit der letzten 3 Jahre sind im Rhein-Main-Gebiet allgegenwärtig“, fasst Melvin Mika, Leiter des Forstamtes Langen die Chronologie jener Ursachen zusammen, die dem Wald so arg zusetzen. Die Schäden sind nicht mehr überschaubar. Mika geht davon aus, dass Jahre mit Wetter-Extremen künftig immer häufiger auftreten.

Foto: S. Neubrandt/ HessenForst

Traurige Ursache hierfür: Der Klimawandel lässt nicht nur in entfernten Regionen der Erde den Meeresspiegel ansteigen oder führt zur Ausbreitung von Wüsten – er zeigt sich mittlerweile auch vor unserer eigenen Haustür. Die trocken-heißen Sommer der letzten Jahre haben dem Wald deutschlandweit stark zugesetzt. Darüber hinaus konkurriert der Mensch mit dem Wald zunehmend um das Wasser im Boden. Vor allem im Ballungsraum ist der Wasserverbrauch so hoch, dass die Grundwasserspeicher stark strapaziert werden. Unsere heimischen Baumarten, über Jahrtausende an ein kühleres und feuchteres Klima angepasst, können mit der rapiden Temperaturzunahme und dem Wassermangel nicht Schritt halten.

Das veränderte Klima schwächt die Bäume und macht sie anfällig für Schädlinge. Selbst unsere Wärme und Trockenheit ertragenden Kiefern und Eichen, denen für den Wald der Zukunft eine tragende Rolle zugedacht war, zeigen heute massive Krankheitssymptome. Es ist schwer vorauszusagen, welche Baumarten langfristig mit den geänderten Klimabedingungen zurechtkommen, denn diese Situation ist auch in der langen Tradition der Forstwirtschaft völlig neu.

Der Landesbetrieb HessenForst entwickelt nun Konzepte für die Wiederbewaldung der Schadflächen, denn hier sollen bald wieder Bäume wachsen. Allein 2020 wurden dafür fünf Millionen Bäume gepflanzt. „Wir setzen auf Risikostreuung. Wir wissen nicht genau, wie sich das Klima entwickeln wird, und welche Baumarten sich unter welchen Bedingungen tatsächlich als anpassungsfähig erweisen“, erläutert Mika.

Ein vielfältiger und widerstandsfähiger Wald soll entstehen, der das Treibhausgas CO2 speichert, der Bevölkerung Raum zur Erholung bietet und auch in Zukunft hochwertiges Trinkwasser sowie den nachhaltigen Rohstoff Holz liefert. Um besser gerüstet zu sein soll auf den jeweiligen Schadflächen ein Mischwald mit mindestens drei unterschiedlichen klimastabilen Baumarten heranwachsen, von denen jede Art mindestens zehn Prozent Anteil am künftigen Waldbestand hat.

Die Ausgangssituation für die Wiederbewaldung ist ebenso vielfältig, wie der Wald von morgen sein wird. Für jede Fläche entscheiden die Forstleute individuell, welche Baumarten in Kombination von natürlicher Aussaat und aktiver Nachpflanzung am sichersten zu einem zukunftsfähigen Wald führen. Wo rund um kleinere Schadflächen Baumarten stehen, denen man im Klimawandel gute Chancen ausrechnet, lassen die Forstleute der Natur freien Lauf. Diese Bäume liefern das Saatgut für die nächste Waldgeneration.

Auf manchen der geschädigten Flächen hat sich hier und da bereits die neue Waldgeneration aus Birken und anderen Pionier-Baumarten eingefunden. An manchen Stellen tut sich die natürliche Verjüngung jedoch schwer. Hier hilft das Forstamt Langen nach und ergänzt den Wald der Zukunft mit Arten, die zum Standort der jeweiligen Fläche passen.

Foto: L. Postl/HessenForst – Mischbaumarten ergänzen die Naturverjüngung

Auf größeren Freiflächen entsteht der Wald von Morgen vor allem durch Pflanzung. Neben den bisherigen Hauptbaumarten Eiche, Buche und Kiefer sollen dabei vermehrt Baumarten wie Vogelkirsche, Esskastanie und Linde beim Aufbau klimarobuster Mischwälder helfen.

Vor den Forstleuten liegt eine Mammutaufgabe. All diese Flächen mit ihrem vielfältigen Jungwuchs müssen insbesondere in den frühen Jahren (kosten-) intensiv begleitet werden, sei es durch Schutz vor Wildverbiss, Zurückdrängen von Gräsern und Brombeerhecken, oder durch das Herauspflegen der zukunftsfähigen Baumarten.

Foto: I. Husermann/ HessenForstZäune schützen die Pflanzen vor dem Verbiss durch Wild

Viel ist schon gesagt und geschrieben worden über die existenzielle Bedeutung des Waldes, nicht nur für uns Menschen. In unserem Forstamt, das den gesamten Stadt- und Landkreis Offenbach betreut, profitieren ca. 500.000 Menschen vom Schutz des Waldes, oftmals, ohne dies wirklich wahrzunehmen. Ob der Wald auch in Zukunft in der Lage sein wird, uns zu schützen, das hängt vor allem von unserem eigenen Verhalten ab. Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, seiner Verantwortung in Sachen Klimaschutz nachzukommen. Davon freimachen kann sich niemand.

Klimawandel und Wald

04.11.2021

Das Klima ist der prägende Faktor von Vegetationszonen und Pflanzengesellschaften. 

(Foto: J.Lampert) Der größte Schädling der Fichte, der Buchdrucker bei der Arbeit.

Die Klimaerwärmung und die Auswirkungen auf unsere Wälder sind wesentlich abhängig von der Höhe/Reduktion des CO2 -Ausstoßes und des dadurch verursachten Treibhauseffektes. Derzeitige Prognosen gehen von einer Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur um mind. 2oC bis 2050 aus, d.h. im Odenwald herrschen dann Temperaturen wie derzeit in der Oberrheinebene . Da mit dem Klimawandel auch die Sommernieder-schläge zurückgehen, führt dies zu extremem Trockenstress für die Bäume und insbesondere die Fichte. Geschwächte Bäume sind anfällig gegen Schadinsekten wie z.B. Borkenkäfer, wie die Trockenjahre 2019 und 2020 gezeigt haben.

(Foto: J.Lampert) Durch die Fraßtätigkeit des Buchdruckers abgestorbene Fichten
(Foto: J.Lampert) Von einem Sturm umgeworfene Fichten (zumeist Ausgangspunkt von Borkenkäferkalamitäten)

Auch werden Witterungs-extreme (Stürme, Starkregen) zunehmen, von denen wiederum Fichtenbestände am stärksten betroffen sind. Der Anteil des „Brotbaumes“ Fichte, der in einigen Forst-betrieben noch über 50% beträgt, wird künftig im Odenwald deutlich zurück-gehen. Selbst die „Klima-baumart“ Buche, die von Natur aus fast ganz Hessen bedecken würde, zeigt auf einigen trockeneren Standorten mittlerweile Absterbeerscheinungen.    

(Foto: J.Lampert) Frisch gepflanzter Bergahorn mit Trockenschäden aufgrund einer längeren Dürreperiode

Die Möglichkeiten der Forstwirtschaft als Reaktion auf den Klimawandel sind begrenzt und erstrecken sich insbesondere auf den Aufbau standortgerechter, möglichst vielfältiger, gemischter und stabiler Wälder im Rahmen einer naturnahen Bewirtschaftung. Die Zusammensetzung unserer Wälder wird sich dabei zugunsten besser angepasster Baumarten wie Eichen, Edellaubbäumen, Birken, Kiefern und Tannen, sowie trockenresistenteren „Fremdbaumarten“ wie z.B. Douglasien, Rot-eichen oder Esskastanien verschieben. Die Festlegung bei der Baumartenwahl/ Pflanzung erfolgt auf Basis einer prognostizierten Standortwasserbilanz und für mehrere Jahrzehnte. Durch lange Generationszeiträume sind Waldbäume genetisch nur bedingt anpassungsfähig an sich rasch ändernde Umweltbedingungen. Da der Wald vielfältige Funktionen (Wasserschutz, Produktion von Sauerstoff, Bindung von CO2) erfüllt und für die Menschheit existenziell ist, müssen alle möglichen Anstrengungen zur CO2-Reduktion bzw. Walderhaltung und zum Waldumbau ergriffen werden!

(Foto: J.Lampert) Die neue Waldgeneration ist bereits in den Startlöchern. Buchen-Naturverjüngung unter Fichten

Waldmanagement: Konzept für den Kommunal- und Privatwald im Forstamt Nidda in Zeiten eines schnell voranschreitenden Klimawandels

03.11.2021

Der Klimawandel läuft aus forstlicher Sicht ungeheuer schnell ab. Uns als Gesellschaft bleibt daher relativ wenig Zeit, darauf zu reagieren. Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir durch Verzicht auf Erdöl, Erdgas oder Kohle den Klimawandel zeitnah stoppen. Umso wahrscheinlicher ist aber die Gefahr, dass der jetzige Wald die Klimaveränderungen nicht oder nur sehr schlecht übersteht. Daher ist ein antizipatives Handeln jetzt von besonderer Bedeutung. Dies gelingt nur mit der Politik und viel ehrenamtlichem Engagement. Das Waldmanagementkonzept soll Ihnen dazu als Grundlage dienen.

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Der etwas andere Baum

23.04.2021

Sie ist mit ihren leuchtend roten Beeren als Schmuckreisig beliebt: Die Stechpalme (Ilex aquifolium) ist Baum des Jahres 2021.

Die Stechpalme kennen viele als Gartenstrauch oder als Weihnachtsdekoration. Sie ist jedoch auch ein seltener Waldbaum. Im Unterholz wird sie kaum höher als fünf Meter. Wächst sie im Freistand, zum Beispiel auf Waldweiden, kann sie bis zu 15 Meter hoch werden. „Ihr Nutzen für uns Förster ist eher ästhetischer Natur”, erklärt Florian Wilshusen, Forstamtsleiter im Forstamt Hofbieber. „Leider sind die klimatischen Voraussetzungen für das Vorkommen der Baumart in unserem Forstamt hier in der Rhön nicht gegeben- es ist einfach zu kalt.“ Ihr natürliches Verbreitungsareal erstreckt sich seit über zwei Millionen Jahren über ganz Europa. In Deutschland kommt sie vor allem im Nordwesten vor, in Hessen jedoch überwiegend im Süden. An den Standort stellt die Stechpalme geringe Ansprüche und kommt mit wenig Nährstoffen und viel Schatten aus. Sie bevorzugt milde, frostfreie Winter. Ihr Wärmebedürfnis und ihre Schattentoleranz machen die Stechpalme vielerorts zu einer Gewinnerin des Klimawandels.

Die Stechpalme (Ilex aquifolium) ist Baum des Jahres 2021. (Foto: M. Sundermann, HessenForst)

Die Blätter der Stechpalme sind dunkelgrün und ledrig-glänzend. Im Bodenbereich sind sie spitz-gezackt, zum Schutz gegen Fraß. In höheren Bereichen sind die Blätter meist glattrandig. Alle wesentlichen Teile der Stechpalme sind für Menschen giftig. Die Stechpalme ist ein immergrüner Baum und eine Verwandte der Magnolien. Das grau-weißliche Holz der Stechpalme hat eine hohe Dichte, feine Fasern und ist recht zäh. Es lässt sich aber hervorragend beizen und ist außerdem gut für Furnier- und Drechselarbeiten geeignet. „Ilex bereichert die Wälder vor allem der südhessischen Forstämter als zusätzliche Art und ihre roten Beeren sind eine beliebte Vogelnahrung.

Für Rückfragen steht Ihnen das Forstamt Hofbieber gern zur Verfügung.

Projekt KLIMWALD – klimastabile Wälder wichtiger denn je

15.01.2021

Projekt KLIMWALD – klimastabile Wälder wichtiger denn je
Der Klimawandel ist zur ernsten Bedrohung für unsere Wälder geworden. In dem vom Bundesumweltministerium (BMUB) geförderten Projekt „Erfolgreiche Klimaanpassung im Kommunalwald“ (KLIMWALD)“ haben sich das Forstamt Wolfhagen und die Universität Kassel über mehr als drei Jahre (2014-2017) mit der Zukunftssicherung am Beispiel der kommunalen Wälder Calden, Naumburg, Wolfhagen und Zierenberg befasst.

Aufsetzend auf Klimaprojektionen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NWFVA, Göttingen) wurden die Risiken durch den Klimawandel analysiert und Empfehlungen zur zielgerichteten Pflege und Anpassung der Wälder herausgearbeitet. Die langjährigen Erfahrungen der zuständigen Försterin und Förster in ihren Waldrevieren gaben für die Ableitung von Empfehlungen wichtige Orientierung.

Mangelnde Wasserversorgung bedrohlich
Aktuell haben uns besonders die vergangenen drei Jahre mit einer nie dagewesenen Trockenheit mehr als bestätigt: Das wohl größte Risiko für unsere Wälder geht von nicht ausreichender Wasserversorgung aus. Empfehlungen aus dem Projekt setzen wir sowohl im Forstamt um als sie sich bereits in angepassten waldbaulichen Programmen wiederfinden.

Zukunftsorientiert bedeutet:

  • gemischte Bestände noch konsequenter als bisher zu entwickeln,
  • Mischbaumarten im Nachwuchs stetig und kompromisslos herauszupflegen,
  • Baum-Arten zu ergänzen, die mit Trockenheit besser umgehen können als Fichte und auch Buche.

Beispiele sind Eiche, Ahorn, Kirsche und Elsbeere bei den Laubbäumen und Lärche, Douglasie und Tanne bei den Nadelbäumen.

Hier finden Sie zum KLIMWALD die Materialien: