Jörg Winter im Ruhestand, Sebastian Merkel neuer Forstamtleiter. Produktionsleiter Wolf-Rüdiger Berends ebenfalls verabschiedet

27.06.2022

Generationenwechsel im Forstamt Schlüchtern: Jörg Winter (li.) übergibt das Forstamt
an Sebastian Merkel (2.v.li.), Karina Brasch übernimmt Produktionsleitung von Wolf-Rüdiger
Berends (re.)
Foto: HessenForst

Harald Dersch, HessenForst-Regionalleiter verabschiedete Forstamtsleiter Jörg Winter am 24.
Juni in den Ruhestand. Er dankte seinem Kollegen für die geleistete Arbeit und das
Engagement, mit dem Winter und sein Team das Forstamt durch die vergangenen
Extremjahre gebracht hat. „Die Verjüngung der Eiche und die Stabilisierung des
Waldökosystems waren meine forstlichen Schwerpunkte“, berichtete Winter und führte fort:
„Auch die Jagd gehört für mich ganz wesentlich zum Waldbau.“
Neuer Forstamtsleiter wird Sebastian Merkel. Merkel hat sein forstliches Studium an der
Albert-Ludwig-Universität in Freiburg im Breisgau absolviert. Nach dem Referendariat
sammelte er erste berufliche Erfahrungen im hessischen Umweltministerium. Von September
2018 bis Ende Mai 2022 war er Produktionsleiter im Forstamt Jossgrund. Zur Amtsübernahme
betonte Merkel: „Ich freue mich, hier in meiner Heimat gemeinsam mit dem gesamten
Forstamtsteam unseren heimischen Wald mit all seinen Facetten und den Ansprüchen an ihn
in Zeiten des Klimawandels zu begleiten. Das verträgliche Zusammenleben von Mensch und
Tier in der Natur sehe ich als zentrales Element an.“
Beinahe zeitgleich mit Winter geht auch der langjährige Produktionsleiter des Forstamts, Wolf-
Rüdiger Berends in den Ruhestand. Über 17 Jahre sorgte er im Forstamt mit großem
Engagement für die Organisation der Holzernte und der Holzvermarktung. In diese Fußstapfen
wird Karina Brasch treten, die sich nach ihrem Referendariat in Bayern bereits seit Ende 2021
im Forstamt einarbeiten konnte. Ihr Interesse gilt besonders dem Waldbau im Klimawandel.

Das Team vom Forstamt Schlüchtern wünscht seiner neuen Forstamtsleitung alles Gute und allseits eine gute Zusammenarbeit!

Schulungen – Motorsägenlehrgänge im Angebot

05.05.2022

Mit Freude dürfen wir nach längerer Pause wieder die Mobile Waldbauernschule in unserem Forstamt begrüßen. Nähere Informationen und wann welche Kurse in unserem Bereich stattfinden, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Die mobile Waldbauernschule bietet Ihnen, als hessischer Privatwaldbesitzer, ein regionales Schulungsangebot. Das Angebot gilt ebenfalls für Ihre Familienmitglieder und Helfende des Betriebs, sofern diese bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mitversichert sind.

Im Forstamt Schlüchtern finden im Herbst folgende Schulungstage statt:

Natürlich können auch Angebote in den umliegenden Forstämtern wahrgenommen werden, wie z. B. im Forstamt Schotten oder Forstamt Fulda. Weitere Termine finden Sie in der Suchfunktion: https://www.hessen-forst.net/schulungen/

Alles Weiter zum Thema mobile Waldbauernschule ist hier zu finden: https://www.hessen-forst.net/post/aktuelles/mobile-waldbauernschule/

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an uns wenden.

Ihr Team vom Forstamt Schlüchtern

Ausbildung – Vorstellung Forstinspektoranwärter Bastian Rosauer

02.05.2022

Mein Name ist Bastian Rosauer, ich bin 25 Jahre alt und gebürtig aus Hennef bei Bonn.

Bereits als Kind verbrachte ich viele Wochenenden mit meinem Vater und meinem Onkel im Wald, da der private Brennholzbedarf jedes Jahr gedeckt werden musste. Es entstand so bereits im Kindesalter eine Bindung zum Wald und Freude in der Natur zu sein, die auch bis heute nicht nachgelassen hat.

Nach meinem Schulabschluss der mittleren Reife 2013 und einem Praktikum im Regionalforstamt Rhein Sieg Erft stand für mich fest, dass ich eine Ausbildung zum Forstwirt machen möchte. Also habe ich in der Zeit von 2013-2016 meine Ausbildung zum Forstwirt beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW erfolgreich abgeschlossen und anschließend noch ein Jahr als Forstwirt dort gearbeitet.

Während der Ausbildung und der Arbeit als Forstwirt entwickelte sich der Wunsch zukünftig als Revierleiter zu arbeiten. Also ging ich zurück auf die Schulbank um die Fachhochschulreife zu erlangen.

Nach bestandenem Fachabitur schrieb ich mich im Wintersemester 2018 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen im Studiengang Forstwirtschaft ein und beendete mein Studium mit dem Bachelorabschluss im Jahr 2021. Während des Studiums erlangte ich meinen Jagd- und Ausbilderschein.

Mein Praktikum während des Studiums absolvierte ich bei den Niedersächsischen Landesforsten in Hann. Münden, wo ich bereits sehr viel über die naturnahe Bewirtschaftung des Waldes lernen durfte.

Nach Hessen zog es mich aufgrund des positiven Feedbacks vorheriger Anwärter und dem sehr guten Ruf von HessenForst bezüglich der Ausbildung. Aber auch landschaftlich gefällt es mir hier sehr gut. Seit April bin ich nun im Forstamt Schlüchtern angekommen und freue mich auf die kommenden Monate meines Anwärterdienstes bei HessenForst.

Ausbildung – Vorstellung Forstinspektoranwärter Leon Sass

Mein Name ist Leon Sass, ich bin 23 Jahre alt und ich komme aus dem kleinen Städtchen Suhl im Thüringer Wald.

Sobald ich in meiner Heimat vor die Tür trat, stand ich sofort im Wald oder war nur 2 Minuten von diesem entfernt. Vor allem mit meinem Opa war ich als Kind viel im Wald unterwegs. Auch mein anderer Großvater prägte mich vor. Dieser besitzt ein Sägewerk in dem ich viele Stunden meiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. Doch bis zur 11. Klasse hätte ich mir nicht träumen lassen, überhaupt in die Richtung Forstwirtschaft zu gehen. Generell war bei mir kein direkter Berufswunsch ausgeprägt. Durch Zufall begann mein Bester-Freund mit der Jagdausbildung. Er schwärmte vom erlangten Wissen über das Wild, den Wald und die Natur. So erwachte in mir eine starke Neugier und die Studienberatung empfahl mir ein Praktikum im Forst. Nach dem freiwilligen Praktikum war mir klar: “Ich will Förster werden!“

So begann ich nach dem Abitur 2017 mein Forststudium an der FH Erfurt. Das Studium selbst und die weiteren Praktika im Thüringer Wald festigten meinen Wunsch immer mehr. Während des Studiums erwarb ich meinen Jagd-, Angel- und Sägenschein und baute somit mein Wissen weiter aus. Kurz vor dem Bachelorabschluss 2021 eröffnete sich jedoch die Möglichkeit, das Sägewerk meines Großvaters fortzuführen. Ich wagte den Schritt und übernahm das Werk. Die Arbeit mit dem Werkstoff Holz machte riesen Spaß. Doch jeden Tag war es der gleiche Ablauf und auch die Aufträge fehlten, da wir sie mit der alten Technik nicht bearbeiten konnten. Auf neue Maschinen hätten wir zu lange warten müssen. Auch stellte ich fest, dass mir etwas fehlte. Die Abwechslung und die Nähe zur Natur, die mir doch so sehr am Beruf des Försters gefiel, hat gefehlt.

So entschloss ich mich nach kurzer Überlegung für eine Bewerbung zum Anwärterdienst bei HessenForst. Egal mit wem man sprach, jeder konnte nur Gutes über die Ausbildung in Hessen sagen. Auch nach der Berufsmesse an der FH hat HessenForst bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Seit April 2022 bin ich nun Forstoberinspektoranwärter und freue mich auf die sehr lehrreiche Ausbildung.

Neuer Mitarbeiter – Vorstellung Forstwirtschaftsmeister Aaron Brünig

01.03.2022

Hallo mein Name ist Aaron Brünig, ich komme gebürtig aus Linsengericht/ Altenhaßlau und bin 27 Jahre alt. Meine Ausbildung zum Forstwirt habe ich im August 2012 im Forstamt Hanau – Wolfgang begonnen und nach 3 Jahren erfolgreich abgeschlossen. Nach der Abschlussprüfung wurde ich in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen und konnte weiterhin heimatnah arbeiten.

Nach 5 Jahren Tätigkeit als Forstwirt, wollte ich mich weiterentwickeln und bewarb mich auf eine Ausbildungsstelle als Forstwirtschaftsmeister. Im Dezember 2021 konnte ich diese Weiterbildung abschließen und arbeitete noch bis Anfang Februar 2022 im Forstamt Hanau als Forstwirt, bevor ich dann am 07. Februar meinen ersten Arbeitstag als Meister in Schlüchtern antrat.

Das Interesse am Wald wurde bei mir bereits im frühen Alter durch die Jagd und die damit anfallenden Arbeiten im Wald geweckt. Ich absolvierte diverse Schulpraktika welche immer etwas mit Forst und Wald zu tun hatten. 2016 löste ich meinen ersten Jagdschein und konnte somit auch auf der Arbeit zeitweise mein Hobby ausleben. Des Weiteren kam im Jahr 2017 ein Deutscher Wachtelhund ins Haus, den ich jagdlich einsetze und der mich täglich auf der Arbeit begleitet.

Mein Einsatzgebiet als Meister erstreckt sich über das Staatswaldrevier Salmünster sowie den Gemeindewald Bad Soden – Salmünster, Stadtwald Wächtersbach und den Gemeindewald Brachttal. In meinen ersten Monaten im Forstamt Schlüchtern, bin ich sehr freundlich empfangen worden und habe bereits viele nette Kolleginnen und Kollegen kennenlernen dürfen. Ich freue mich weiter auf eine gute Zusammenarbeit und die neuen Aufgaben die auf mich zukommen.

Unser Wald im Klimawandel

07.12.2021

Wer mit offenen Augen durch unseren Wald geht, kann seit einiger Zeit fast überall ungewöhnlich viele geschädigte oder abgestorbene Bäume erkennen.

Waldflächen liegen brach, die dürren Reste abgestorbener Kiefern ragen in den Himmel, und auch Baumarten wie Buche und Birke sind sichtbar beschädigt. „Die Folgen der Stürme und die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit der letzten 3 Jahre sind im Rhein-Main-Gebiet allgegenwärtig“, fasst Melvin Mika, Leiter des Forstamtes Langen die Chronologie jener Ursachen zusammen, die dem Wald so arg zusetzen. Die Schäden sind nicht mehr überschaubar. Mika geht davon aus, dass Jahre mit Wetter-Extremen künftig immer häufiger auftreten.

Foto: S. Neubrandt/ HessenForst

Traurige Ursache hierfür: Der Klimawandel lässt nicht nur in entfernten Regionen der Erde den Meeresspiegel ansteigen oder führt zur Ausbreitung von Wüsten – er zeigt sich mittlerweile auch vor unserer eigenen Haustür. Die trocken-heißen Sommer der letzten Jahre haben dem Wald deutschlandweit stark zugesetzt. Darüber hinaus konkurriert der Mensch mit dem Wald zunehmend um das Wasser im Boden. Vor allem im Ballungsraum ist der Wasserverbrauch so hoch, dass die Grundwasserspeicher stark strapaziert werden. Unsere heimischen Baumarten, über Jahrtausende an ein kühleres und feuchteres Klima angepasst, können mit der rapiden Temperaturzunahme und dem Wassermangel nicht Schritt halten.

Das veränderte Klima schwächt die Bäume und macht sie anfällig für Schädlinge. Selbst unsere Wärme und Trockenheit ertragenden Kiefern und Eichen, denen für den Wald der Zukunft eine tragende Rolle zugedacht war, zeigen heute massive Krankheitssymptome. Es ist schwer vorauszusagen, welche Baumarten langfristig mit den geänderten Klimabedingungen zurechtkommen, denn diese Situation ist auch in der langen Tradition der Forstwirtschaft völlig neu.

Der Landesbetrieb HessenForst entwickelt nun Konzepte für die Wiederbewaldung der Schadflächen, denn hier sollen bald wieder Bäume wachsen. Allein 2020 wurden dafür fünf Millionen Bäume gepflanzt. „Wir setzen auf Risikostreuung. Wir wissen nicht genau, wie sich das Klima entwickeln wird, und welche Baumarten sich unter welchen Bedingungen tatsächlich als anpassungsfähig erweisen“, erläutert Mika.

Ein vielfältiger und widerstandsfähiger Wald soll entstehen, der das Treibhausgas CO2 speichert, der Bevölkerung Raum zur Erholung bietet und auch in Zukunft hochwertiges Trinkwasser sowie den nachhaltigen Rohstoff Holz liefert. Um besser gerüstet zu sein soll auf den jeweiligen Schadflächen ein Mischwald mit mindestens drei unterschiedlichen klimastabilen Baumarten heranwachsen, von denen jede Art mindestens zehn Prozent Anteil am künftigen Waldbestand hat.

Die Ausgangssituation für die Wiederbewaldung ist ebenso vielfältig, wie der Wald von morgen sein wird. Für jede Fläche entscheiden die Forstleute individuell, welche Baumarten in Kombination von natürlicher Aussaat und aktiver Nachpflanzung am sichersten zu einem zukunftsfähigen Wald führen. Wo rund um kleinere Schadflächen Baumarten stehen, denen man im Klimawandel gute Chancen ausrechnet, lassen die Forstleute der Natur freien Lauf. Diese Bäume liefern das Saatgut für die nächste Waldgeneration.

Auf manchen der geschädigten Flächen hat sich hier und da bereits die neue Waldgeneration aus Birken und anderen Pionier-Baumarten eingefunden. An manchen Stellen tut sich die natürliche Verjüngung jedoch schwer. Hier hilft das Forstamt Langen nach und ergänzt den Wald der Zukunft mit Arten, die zum Standort der jeweiligen Fläche passen.

Foto: L. Postl/HessenForst – Mischbaumarten ergänzen die Naturverjüngung

Auf größeren Freiflächen entsteht der Wald von Morgen vor allem durch Pflanzung. Neben den bisherigen Hauptbaumarten Eiche, Buche und Kiefer sollen dabei vermehrt Baumarten wie Vogelkirsche, Esskastanie und Linde beim Aufbau klimarobuster Mischwälder helfen.

Vor den Forstleuten liegt eine Mammutaufgabe. All diese Flächen mit ihrem vielfältigen Jungwuchs müssen insbesondere in den frühen Jahren (kosten-) intensiv begleitet werden, sei es durch Schutz vor Wildverbiss, Zurückdrängen von Gräsern und Brombeerhecken, oder durch das Herauspflegen der zukunftsfähigen Baumarten.

Foto: I. Husermann/ HessenForstZäune schützen die Pflanzen vor dem Verbiss durch Wild

Viel ist schon gesagt und geschrieben worden über die existenzielle Bedeutung des Waldes, nicht nur für uns Menschen. In unserem Forstamt, das den gesamten Stadt- und Landkreis Offenbach betreut, profitieren ca. 500.000 Menschen vom Schutz des Waldes, oftmals, ohne dies wirklich wahrzunehmen. Ob der Wald auch in Zukunft in der Lage sein wird, uns zu schützen, das hängt vor allem von unserem eigenen Verhalten ab. Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, seiner Verantwortung in Sachen Klimaschutz nachzukommen. Davon freimachen kann sich niemand.

Neuer Mitarbeiter – Vorstellung Forstwirt Jens Kouba

01.08.2021

Mit großer Freude dürfen wir seit dem 01. August 2021 unseren neuen Kollegen Herrn Jens Kouba in unserem Team vom Forstamt Schlüchtern begrüßen. Er war bis vor kurzem am Forstamt Michelstadt eingesetzt. Nach der nun vollzogenen Versetzung wird Herr Kouba als Forstwirt im Team Kinzigtal eingesetzt. Wir vom Forstamt Schlüchtern wünschen ihm einen guten Start und alles Gute für seinen beruflichen Weg.
Herr Kouba möchte es sich natürlich nicht nehmen lassen sich einmal selbst vorzustellen:

Forstwirt Jens Kouba

Hallo ich bin Jens Kouba und komme, nach einem kurzen Ausflug in den Odenwald, wieder zurück in meine Heimat – nach Schlüchtern.

Schon bereits im Kleinkinderalter haben mich alle Aktivitäten an der Natur begeistert. Im Laufe der Jahre habe ich meine Begeisterung an Holz gefunden und gerne daraus neue Dinge entstehen lassen. Die Mithilfe der Brennholzgewinnung bei meinem Onkel hat mich bei der Berufswahl sehr geprägt. Dadurch wurde mir klar, dass ich nach meiner Schulzeit eine Ausbildung als Forstwirt starten möchte.

Nachdem ich 2017 meine Ausbildung erfolgreich beendet hatte, wurde der Beruf zu meiner Leidenschaft. Seitdem freue ich mich immer wieder darauf Probleme anzugehen, Lösungen zu finden oder diese zu vereinfachen bzw. Erneuerungen zu testen, seien es Arbeitsverfahren/-abläufe oder Werkzeuge.

Auch privat beschäftige ich mich viel mit der Materie. Da ich mich vor allem für den Bereich der Baumpflege interessiere habe ich zusätzlich noch meinen Kletterschein erworben.

Rückblickend war die Wahl dieses Berufs die richtige Entscheidung für mich gewesen, weshalb für die Zukunft mein Ziel sein wird, mich in meinen Interessen weiter fortzubilden und meinem Wunsch nachzugehen den Meistertitel zu erwerben.

Langener Waldpost 11: „Stark wie ein Baum“ – ein Hainbuchenmärchen

05.05.2021

In früheren Jahren gab es bereits die „Langener Waldpost“ mit spannenden Informationen aus dem Forstamt Langen. Diese schöne Tradition der Wissensvermittlung greifen wir in digitaler Form wieder auf. Deshalb finden Sie hier in lockerer Reihenfolge Beiträge zu unterschiedlichen Themen rund um unseren Wald.

„Stark wie ein Baum“ – ein Hainbuchenmärchen

In einem schönen Wald, da lebten einmal zwei Bäume zufrieden nebeneinander – eine mächtige Eiche und eine kleine Hainbuche. Die Eiche war sehr dick und ihr Kronendach so groß, dass zu ihrer kleinen Nachbarin nur wenige Sonnenstrahlen durchdrangen. Aber die Hainbuche störte sich nicht daran. Sie fühlte sich wohl im Schatten der Eiche und wurde von ihr gut beschützt.

So lebten beide friedlich zusammen und genossen die immer wiederkehrenden Jahreszeiten. Der Winter bedeckte sie mit einem weichen Mantel aus Schnee, im Frühling zogen die Vögel im Schutz ihrer Baumkronen ihre Jungen auf, die Kraft des Sommers ließ auch ihre Kraft wachsen, und im Herbst kitzelten die Waldtiere bei der Suche nach schmackhaften Baumfrüchten ihre Wurzeln.

Foto: I. Husermann / HessenForst

Lange hätte es so bleiben können, aber eines Tages schlich sich ein Störenfried in ihre Gemeinschaft. Mit den Jahren war eine Efeupflanze herangewachsen, die auf der Suche nach Sonnenlicht die große Eiche ausgewählt hatte, um sich an ihr empor zu schlängeln. Bis in die Spitze des Baumes war sie schon gewachsen und nahm dort immer mehr Platz und Licht ein. Die Eiche aber, die viel Sonne braucht, litt zunehmend unter der ungebetenen Mitbewohnerin und klagte der Hainbuche ihr Leid. Da war guter Rat teuer, denn freiwillig wollte der Efeu den Platz an der Sonne nicht mehr verlassen.

Foto: I. Husermann / HessenForst

Die Hainbuche aber hatte der Eiche viel zu verdanken – wie oft schon hatte diese sie bei Unwettern und Stürmen beschützt! Nun war es an ihr, der Freundin zu helfen und sie nicht dem Klammergriff des Efeus zu überlassen. So kam es, dass sich die Hainbuche an die merkwürdigen, sägeähnlichen Ränder ihrer Blätter erinnerte. Nun endlich wusste sie, was sie damit anfangen konnte! Sogleich begann sie mit der Arbeit und sägte die Efeustängel, die an der Eiche emporwuchsen, durch. Das war ein hartes Stück Arbeit, denn der Efeu hatte mittlerweile viele Triebe und hielt den Eichenstamm damit fest im Griff.

Foto: I. Husermann / HessenForst

Die Hainbuche aber sägte unermüdlich, Tag und Nacht, um ihre Freundin zu befreien. Je länger sie sägte, desto stärker wurde sie, und zuletzt ging ihr die Arbeit immer leichter von der Hand, oder besser gesagt, vom Blatt. Schließlich hatte sie alle Efeustängel durchtrennt, und die Eiche konnte endlich wieder aufatmen. Die Hainbuche aber war durch das anstrengende Sägen so stark geworden, dass ihr Stamm aussah, als stecke er voller Muskeln. Dieses Aussehen hat sie bis heute behalten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind Hainbuche und Eiche noch immer die besten Freundinnen!