Wiederbewaldung und Kulturpflege

09.09.2022

Zentrale Aufgaben für die Zukunft des Waldes

Die letzten vier Jahre haben für unzählige Kahlflächen im Wald gesorgt: Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer haben vor
allem der Fichte stark zugesetzt, aber auch andere Baumarten haben die extremen Witterungsbedingungen nicht überlebt.

Damit auf den entstandenen Freiflächen möglichst schnell wieder Bäume wachsen, verfolgen wir folgende Strategie:
Auf 70 % der betroffenen Areale soll sich der Wald natürlich verjüngen – hier sind die umliegenden Baumarten an den
Standort gut angepasst und wir können davon ausgehen, dass sich auch ohne Pflanzung oder Saat ein baumartenreicher,
klimastabiler Mischwald einstellen wird. Auf den restlichen 30 % der Kahlfläche wird gepflanzt, da hier von alleine
kein standortgerechter, klimastabiler Mischwald entstehen würde.

Mithilfe eines Freischneiders werden junge Bäume freigeschnitten, damit sie nicht überwuchert werden und verkümmern.

Allein die Pflanzung auf „nur“ einem Drittel der Freiflächen ist eine Mammutaufgabe. Damit ist es jedoch nicht getan:
Die Kulturen müssen im Laufe der Folgejahre intensiv beobachtet und regelmäßig gepflegt werden. Denn nach der Pflanzung
drohen den jungen Bäumen viele Gefahren: Frost oder starke Sonneneinstrahlung schädigen die noch unverholzten Pflanzen,
Trockenperioden schwächen die Bäume. Zusätzlich fressen Tiere wie Reh, Maus oder Käfer an den Knospen, Wurzeln,
Blättern oder der Rinde. Konkurrenzstarke Gräser und Sträucher profitieren von der starken Sonneinstrahlung auf Freiflächen,
so dass sie die jungen Bäume leicht überwuchern können.



Der Wald hat 36 neue Forstwirte

12.06.2022

Feierliche Verabschiedung im Forstlichen Bildungszentrum

Fröhlich und voller Stolz blickte Dr. Hendrik Horn bei seiner Eröffnungsansprache in den Saal. Es war auch für ihn ein imposanter Anblick und ein besonderer Moment, als er erstmals als neuer Leiter des Forstlichen Bildungszentrums (FBZ) Weilburg einen Abschlussjahrgang Forstwirte verabschieden durfte. 36 „frischgebackenen“ Forstwirtinnen und Forstwirten aus ganz Hessen wurden im gut gefüllten Saal des Hauses „Lärche“ im Beisein einiger Ausbilder und Lehrer nach bestandener Prüfung ihre Urkunden und Abschlusszeugnisse überreicht. In Dr. Hendrik Horns Einführung galt sein besonderer Dank allen, die die Auszubildenden auf ihrem Weg zum erfolgreichen Abschluss begleitet und diese unterstützt hätten, insbesondere dankte er den Ausbildern und Lehrkräften, aber auch den Familien der Absolventinnen und Absolventen sowie dem Prüfungsausschuss.

An den Feierlichkeiten nahmen auch der Regionalleiter der Region Mitte und Vorsitzende des Lenkungsgremiums Personal von „HessenForst“ Harald Dersch, die Mitglieder des Prüfungsausschusses sowie Vertreter der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg teil, mit der das FBZ im Rahmen der Forstwirtausbildung kooperiert. „Wir haben uns heute hier versammelt, um Sie zu ehren!“ Harald Dersch rückte gleich die Protagonisten des Tages in den Vordergrund. Er betonte die Bedeutung des Forstwirtberufs gerade in der heutigen Zeit, in der die Wälder unter Wassermangel und Krankheiten leiden und stark angegriffen sind. „Wir stehen vor großen Aufgaben und müssen den Anforderungen im Wald fachlich gut begegnen, daher brauchen wir Sie, wir brauchen Ihre Fachkompetenz!“, betonte der Regionalleiter. Der Wald sei für alle wichtig, sowohl in seiner Funktion als Lebens- und Freizeitraum, aber auch in seiner ökologischen Bedeutung, unterstrich Harald Dersch. Abschließend konnte der Redner noch fröhlich verkünden, dass „HessenForst“ allen staatlichen Prüflingen, die einen Abschluss mit einem Notendurchschnitt bis 3,49 erreicht hätten, ein Übernahmeangebot unterbreiten würde, aber auch für die nicht staatlichen Auszubildenden gäbe es im Zuge nachfolgender Ausschreibungen Chancen auf Stellen bei „HessenForst“.

„Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald!“ Mit einem Sprichwort eröffnete Andreas Bader seine Ansprache an die erfolgreichen Forstwirtinnen und Forstwirte. Der Abteilungsleiter der gewerblichen Abteilung an der Wilhelm-Knapp-Schule Weilburg überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Schulleitung. Humorvoll erläuterte Andreas Bader, dass eine Lehrkraft der WKS mit diesem Spruch nicht unbedingt dessen allgemein üblichen Sinn – „Ich bin momentan irgendwie völlig planlos!“ – verbindet. Kolleginnen und Kollegen der Schule verknüpften mit dem Spruch eher zwei andere Dinge, die beide für diese Person eine äußerst positive Bedeutung hätten. Einerseits befände sich die Raucherecke, in die sich manche Lehrkräfte gelegentlich zu einer kurzen Zigarettenpause zurückziehen, um zu entspannen, am Rande eines kleinen Waldstücks. Im zweiten Fall könne diese Aussage nur heißen: Die Lehrkraft unterrichtet bei „HessenForst“! Das bedeute für die betreffenden Kolleginnen oder Kollegen, an einem besonders angenehmen Lernort tätig zu sein, wie er immer wieder erfahren würde, hob Andreas Bader hervor und sagte: „Nicht nur, dass die Ausbildung bei „HessenForst“ in wunderschöner Lage im Wald stattfindet. Es ist vor allem die besondere Atmosphäre, die diesem Ort inne ist.“ Und dies übertrage sich sowohl auf die Schüler als auch die Lehrkräfte. Der Abteilungsleiter betonte, dass von den Lehrern und der Schulleitung der Wilhelm-Knapp-Schule die Zusammenarbeit mit „HessenForst“ als äußerst angenehm und positiv empfunden werde und sprach für diese gute Zusammenarbeit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des FBZ seinen besonderen Dank aus. „Wenn Sie sagen – ‚Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald!‘, meinen Sie mit Sicherheit etwas anderes“, wandte sich Andreas Bader an die jungen Forstwirtinnen und Forstwirte. „Sie befinden sich am schönsten Arbeitsplatz, den unser Land zu bieten hat“, verkündete der Abteilungsleiter und hob anschließend hervor, wie wichtig dieser Arbeitsplatz ist, was insbesondere durch die Klimaveränderungen, die zu schweren Waldschäden in ganz Europa geführt hätten, allen schmerzlich bewusst geworden sei. Auf den Wald kämen in den kommenden Jahren weitere Veränderungen zu. „Ihr Beruf wird mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, wenn es darum geht, diese Veränderungen zu begleiten und den Wald auf diese Veränderungen vorzubereiten“, schloss Andreas Bader seine Rede und wünsche allen für ihre berufliche Zukunft und Ihren privaten Lebensweg alles erdenklich Gute.

Sehr zufrieden mit den Prüfungsleistungen und dem Abschneiden der Auszubildenden zeigte sich Ralf Eiffler als Vertreter des Gesamtpersonalrats und Mitglied des Prüfungsausschusses. Er hob die Bedeutung von „HessenForst“ als Arbeitgeber hervor. Obwohl es aus Gewerkschaftssicht immer noch Verbesserungsmöglichkeiten gäbe, sei „HessenForst“ insgesamt gut aufgestellt, stellte der Personalratsvertreter heraus. Ralf Eiffler betonte noch einmal die Bedeutung des Sicherheitsaspekts bei der Arbeit im Wald und gab den Forstwirtinnen und Forstwirten einen persönlichen Rat mit auf den Weg, mit dem er stets gut gefahren sei: „Wenn ich eine Entscheidung treffe, wie ein Baum zu fällen ist, stelle ich mir vor, was im schlimmsten Fall passieren könnte und platziere mich dort, wo ich vor dieser Gefahr sicher bin!“ „Kommen Sie immer gesund nach Hause, alles Gute und Glück auf!“, wünschte der Personalratsvertreter den jungen Forstwirtinnen und Forstwirten abschließend. „I keep a close watch on this heart of mine, I keep my eyes wide open all the time, […] I walk the line.” (Deutsch frei interpretiert: „Ich folge meinem Herzen, bin wachsam und neugierig und bleibe auf dem rechten Weg.“) Mit diesem Auszug des weltbekannten Songs „I walk the line“ von Johnny Cash verband Christian Reiter, der als amtierender Vorsitzender des Prüfungsausschusses federführend für die Organisation und Durchführung der Prüfungen verantwortlich war, seine Abschlussrede. Folgt Eurem Herzen und setzt Euch, wenn nötig, ein für Eure Freiheit, die spätestens seit dem Krieg in Osteuropa keine Selbstverständlichkeit mehr ist, führte Christian Reiter aus. „Geht nicht den leichtesten Weg, sondern geht den richtigen Weg!“ betonte der Prüfungsausschussvorsitzende und wünschte den Forstwirtinnen und Forstwirten hierfür Weisheit und gute Berater, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf den Beruf des Forstwirts bzw. auf die Ausbildung bezogen, meinte Christian Reiter: „Ihr habt drei Jahre lang gelernt, um richtig von falsch zu unterscheiden. Wählt zu Eurer eigenen Sicherheit und der Sicherheit Eurer Kolleginnen und Kollegen auch hier den richtigen Weg.“ Nicht nur in seiner Funktion als Prüfungsvorsitzender, sondern auch als Lehrer, der die Auszubildenden drei Jahre lang unterrichtete, habe er die jungen Menschen kennen- und schätzen gelernt, daher wünschte er ihnen zum Abschluss: „Alles Gute, walk the line und nicht Tschüss, sondern auf Wiedersehen!“

Die beiden Klassenbesten Frau Theresia Heßling und Herr Felix Muth nach Erhalt Ihrer Auszeichnung in Form einer Axt eingerahmt von (von links nach rechts) Christian Reiter, Dr. Hendrik Horn, Harald Dersch, Dirk Mack und Andreas Bader (Foto: Dr. Andreas Böttig)

„Mit dem Abschluss der Ausbildung hat das Lernen ein Ende!“, richtete Dr. Hendrik Horn abschließend das Wort an die erfolgreichen Forstwirtinnen und Forstwirte. Aber das sei nicht ganz korrekt, meinte der Leiter des Forstlichen Bildungszentrums, denn es würden noch weitere Fortbildungen und Qualifizierungen folgen. Auch gebe es die Möglichkeit sich beruflich weiterzuentwickeln, beispielsweise die Meisterprüfung abzulegen. „Wir entlassen Sie in das Berufsleben in einem gefährlichen Arbeitsplatz“, wies auch er noch einmal auf die Gefahren und Verantwortung, die der Beruf des Forstwirts mit sich bringt, hin. „Es geht nicht gegeneinander, es geht nicht nebeneinander, es geht nur miteinander!“, gab Dr. Hendrik Horn, nicht nur mit Blick auf das Berufsleben, sondern auch auf den Alltag, den Absolventinnen und Absolventen als Rat mit auf den Weg. Im Leben gäbe es nicht nur Erfolge, aber: „Seien Sie stolz, auf das was Sie erreicht haben, und wenn Sie stolpern, dann stehen Sie wieder auf und gehen Sie weiter!“ Im Anschluss erfolgte die Übergabe der Prüfungszeugnisse und Forstwirturkunden inklusive des „Europäischen Motorsägenzertifikats“ der höchsten Stufe durch Dr. Hendrik Horn, Harald Dersch, Christian Reiter und Dirk Mack, der seitens der Wilhelm-Knapp-Schule die Zusammenarbeit mit dem Forstlichen Bildungszentrum koordiniert. Den Klassenbesten Theresia Heßling (Klasse 19 A), die ihre Ausbildung mit der Durchschnittsnote 1,43 abgeschlossen hat und damit auch Jahrgangsbeste war, sowie Felix Muth (Klasse 19 B), der es auf einen Schnitt von 1,59 brachte, wurde als Anerkennung für ihre Verdienste traditionsgemäß eine Forstaxt mit persönlicher Gravur verliehen.

Die neuen Forstwirtinnen und Forstwirte Hessens im Kreis der Ausbilder, Lehrkräfte, Prüfungsausschussmitglieder und Honoratioren (Foto: Dr. Andreas Böttig)

Als neue Forstwirte wurden verabschiedet: Klasse 19 A (Klassenlehrerin Astrid Weber): Niklas Bernhardt, Knüllwald/Ellinghausen (Forstamt Melsungen), Anna Eysert, Schauenburg (Forstamt Wolfhagen), Bastian Gärtner, Wetter (Forstamt Frankenberg), Theresia Heßling, Vöhl-Marienhagen (Forstamt Kirchhain), Lennart Hinze, Eschenburg (Gemeinde Eschenburg), Jonathan Jericho, Willingshausen (Forstamt Romrod), Jonathan Kneeland, Wildeck (Forstamt Melsungen), Karl Lange, Naumburg (Stadt Naumburg), Lukas Müller, Angelburg (Forstamt Kirchhain), Noah Nagy, Breuna (Forstbetrieb Stefani), Philipp Paul, Angelburg  (Stadt Herborn), Jacob Pfeil, Edertal (Waldeckische Domanialverwaltung), Pascal Röhle, Vöhl-Basdorf (Forstamt Wolfhagen), Steffen Sander, Borgentreich (Forstamt Frankenberg), Tobias Wilhelm Schlitt, Alsfeld (Forstamt Romrod), Leon Schroth, Kaufungen (Forstamt Hessisch Lichtenau) und Henrik Umbach Edermünde (Forstamt Melsungen).
Klasse 19 B (Klassenlehrerin Astrid Weber): Samuel Bechtold, Weinheim, (Forstamt Beerfelden), Julius Behr, Villmar (Forstamt Weilburg), Sebastian Lennard Berger, Wölfersheim (Forstamt Jossgrund), Philipp Bitsch, Heppenheim (Magistrat der Stadt Bensheim), Yannik Eggebrecht, Weilmünster (Forstamt Weilburg), Daniel Haller, Neuental (Stadt Neu-Anspach), Iven Herborn, Hünfelden (Stadt Limburg an der Lahn), Jonas Höhner, Reichelsheim (Forstamt Beerfelden), Laurin Lucas, Schmitten (Forstamt Weilburg), Michael Maienschein, Steinau an der Straße (Steinau an der Straße), Julian Merker, Neuhof-Giesel (Forstamt Fulda), Felix Muth, Bad Camberg (Stadt Bad Camberg), Anton Ockhardt, Waldems (Gemeinde Hünfelden), Emil Reiter, Grävenwiesbach(Gemeinde Weilrod), Lukas Maximilian Schäfer, Heiligenhaus (Land- und forstwirtschaftliche Dienstleistungen Christoph Uhl), Henry Schneider, Flörsbachtal (Forstamt Jossgrund) und Henry Setzer, Wetzlar (Stadt Wetzlar). Als externe Prüflinge nahmen noch Karim Bürger, Bad Homburg (Betriebshof Bad Homburg vor der Höhe) und Tim Hermann, Dietzhölztal, erfolgreich an den Abschlussprüfungen teil.

Massiver neuer Borkenkäferbefall im Burgwald

24.06.2021

Das Forstamt Burgwald bittet seine Waldbesucherinnen und Waldbesucher um Verständnis für gewisse Einschränkungen, die sich aus der stark angespannten Waldschutzsituation zwangsläufig ergeben werden:

Trotz der kühl feuchten Witterung im April und in der ersten Maihälfte sieht sich der Burgwald einem Borkenkäferbefall in noch nie da gewesener Heftigkeit ausgesetzt. Es handelt sich überwiegend um den „Achtzähnigen Fichtenborkenkäfer“, wegen seines markanten Brutbildes auch Buchdrucker genannt. Seine Population hat sich seit 2019 von Jahr zu Jahr vervielfacht.

Für die Forstbetriebe mit nennenswerten Fichtenanteilen geht es in den kommenden Wochen darum, die sich gerade in frisch befallenen Bäumen entwickelnden Käfer am Ausflug und am Befall neuer Bäume zu hindern. Dazu werden in den kommenden Wochen verstärkt Holzernte- und Rückemaschinen zum Einsatz kommen, um das befallene Holz vor Ausflug der neuen Käfergeneration zu den verarbeitenden Sägewerken zu bringen, auf Lagerplätze außerhalb des Waldes zu fahren oder erforderlichenfalls auch mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln.

Im Einzugsbereich der vielen Schutzgebiete des Burgwalds ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ausgeschlossen! Aus einem über 5000 ha großen Areal um den „Langen Grund“ bei Schönstadt, die „Franzosenwiesen“ und das „Rote Wasser“, dem „Christenberg“ und seinem „Talgrund“, sowie dem „Diebskeller“ mit „Hungertal“ wird sämtliches aufgearbeitete Fichtenholz unbehandelt auf Trockenlager außerhalb des Waldes transportiert.

Unvermeidbar wird die verstärkte Inanspruchnahme der Waldwege durch Arbeitsmaschinen und LKWs sein. Im Bedarfsfall werden Wege aus Sicherheitsgründen für den Besucherverkehr gesperrt werden müssen. Auch deren Beschaffenheit kann durch die Maschinen und Transportfahrzeuge beeinträchtigt werden.