PM: Deutsche Waldtage 2022

13.09.2022

Am Wochenende Biologische Vielfalt in den hessischen Forstämtern erleben

Insgesamt 15 hessische Forstämter laden zu 28 Veranstaltungen rund um die Deutschen Waldtage vom 16. bis 18. September ein. Ob Spaziergänge zu besonderen Biotopen, Familienwanderungen oder Müllsammelaktionen – alle Interessierten können zusammen mit den Forstleuten von HessenForst den Wald erleben, sich austauschen oder zum Schutz des Waldes aktiv werden.

Die Wälder stehen vor enormen Herausforderungen. Die Klimakrise, einhergehend mit Witterungsextremen wie Hitze, Trockenheit und Stürmen, ist eine große Gefahr für den Wald. Um ihn klimastabil und zukunftsfest zu machen, ist es notwendig auch seine biologische Vielfalt zu erhalten und zu fördern. Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) initiierten Deutschen Waldtage vom 16. bis 18. September stehen ganz in diesem Zeichen. Unter dem Motto „Biologische Vielfalt erleben!“ können Menschen, denen der Wald am Herzen liegt, unterschiedlichste Veranstaltungen besuchen und miteinander ins Gespräch kommen.

Die Deutschen Waldtage werden vom BMEL gemeinsam mit dem Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und dem Deutschen Naturschutzring (DNR), den beteiligten Ländern, Kommunen sowie privaten Waldbesitzern organisiert.

Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen in Hessen finden Sie im Internet unter www.Treffpunkt-Wald.de und www.Deutsche-Waldttage.de oder auf den Seiten der Forstämter unter www.hessen-forst.de

Bild 1: Viele Angebote laden ein, den hessischen Wald zu erkunden
(Foto: Hans-Jürgen Schmoll/HessenForst)

Arten und Habitatpatenschaften bei HessenForst

Wir sind mit dem Förster draußen im seinem Revier unterwegs – er hält an einem kleinen Teich am Rande einer Waldwiese. Er kommt, um den Fahrer des Baggers zu verabschieden, der dort gearbeitet hat. Der Fahrer packt gerade seine Werkzeuge zusammen für die Weiterfahrt. Doch was macht überhaupt ein Bagger im Wald? Wer den Blick über die Wiese schweifen lässt sieht: dort ist ein großes Loch entstanden.

„Wir haben hier in den letzten Tagen einen neuen Teich angelegt“ erzählt der Förster stolz. Damit unterstützen wir unsere Patenart, den Schwarzstorch. Der scheue Waldbewohner fliegt von seinem großen Nest im Wald los und sucht nach Wasserstellen, an denen er zum Beispiel Frösche fangen kann. „Da, wo bisher nur eine kleine Pfütze in einem Erdloch zu sehen ist, wird sich in den nächsten Monaten ein neuer Lebensraum für viele verschiedene Arten entwickeln“.

Die Patenschaften unserer Forstämter

Der Schwarzstorch ist nur eine von knapp 50 Arten, die von den hessischen Forstämtern als Artpatenschaften ausgewählt wurden. Wie beim neuen Teich bei unserem Förster werden diese Arten mit besonderen Maßnahmen und Projekten gefördert. Und nicht nur bestimmte Arten bekommen diese besondere Aufmerksamkeit: Auch für über 20 besondere Habitate und Lebensräume werden solche Maßnahmen durchgeführt. Jedes der 39 Forstämter des Landesbetriebs HessenForst wählt Art- und Habitatpatenschaften.

ForstamtArtpatenschaftHabitatpatenschaft
Forstamt Bad HersfeldSchwarzstorch Waldwiese
Forstamt Bad SchwalbachSchwarzstorch 
Forstamt BeerfeldenÄskulapnatterSteinrasseln (Mini-Blockfelsenmeere)
Forstamt BiedenkopfFeuersalamanderNiederwald
Forstamt BurghaunKreuzotter, Elsbeere 
Forstamt BurgwaldRundblättriger Sonnentau, Schmalblättriges Wollgras, Rauhfußkauz, SperlingskauzWaldmoore
Forstamt DarmstadtEremit, FledermäuseWaldrand, Hohlwege, Lösswände
Forstamt DieburgLaubfrosch, Ziegenmelker, GelbbauchunkeSukzessionsflächen
Forstamt Frankenberg-VöhlMopsfledermaus, Hirschkäfer, Geburtshelferkröte, SchwarzstorchWaldwiesen
Forstamt FuldaSchwarzstorch, KreuzotterAuwald
Forstamt Groß-GerauWildobstAuwald
Forstamt Hanau-WolfgangEisvogel, FlatterulmeKleingewässer
Forstamt HerbornHaselhuhn, Gelbbauchunke, FeuersalamanderStillgewässer
Forstamt Hess. LichtenauLuchs, Brauns SchildfarnMoorbirkenwald
Forstamt HofbieberMopsfledermaus, Schwarzstorch, Feuersalamander,Quellen
Forstamt JesbergSchwarzpappelHangmoor, Quarzithalden
Forstamt JossgrundKreuzotter, BiberWacholderheide
Forstamt KirchhainGroße MoosjungferErlenauwald
Forstamt KönigsteinRauhfußkauz, Lanzettliche Glockenblume, Gestreifte Quelljungfer, UhuBäche
Forstamt LampertheimMittelspecht, Wiedehopf 
Forstamt LangenZiegenmelker, MoorfroschSandkiefernwälder
Forstamt MelsungenLuchs, Gestreifte Quelljungfer 
Forstamt MichelstadtSperlings- und Rauhfußkauz 
Forstamt NeukirchenLaubfrosch, Waldschnepfe, WasserfledermausFeuchtstandorte
Forstamt NiddaLaubfrosch, Hirschkäfer, MopsfledermausWaldteiche, Offenland-NSG
Forstamt ReinhardshagenSchwarzstorch, EremitWaldmoor
Forstamt RomrodBechsteinfledermaus, SchwarzstorchWaldwiesen
Forstamt RotenburgEdelkrebsFließgewässer, Quellen
Forstamt RüdesheimÄskulapnatter, Wildkatze, RentierflechtenSilikatfelsen
Forstamt SchlüchternBiber, Fischotter, Kreuzotter, RotmilanWaldwiesen
Forstamt SchottenLuchs, RotmilanQuellen
Forstamt WehretalFrauenschuh, EibeFelsabhänge, Geröll- und Schutthalden
Forstamt WeilburgGelbbauchunke, Bechsteinfledermaus, Blauschillernder FeuerfalterSteinbrüche, Tongruben
Forstamt WeilmünsterGelbbauchunke 
Forstamt WeilrodWildkatze, UhuFeuchtbiotope, Kleingewässer
Forstamt WettenbergFeuersalamander, LaubfroschStillgewässer
Forstamt WetzlarHaselmaus, Mittelspecht,Dunkler WiesenknopfameisenbläulingEichenwald, Quellen
Forstamt Wiesbaden-Chaus.Äskulapnatter, WespenbussardAufgelassene Steinbrüche
Forstamt WolfhagenEremitQuellbäche, Moore

Regionale Unterschiede

Dabei unterscheiden sich die ausgewählten Arten als auch die Habitate zum Teil erheblich- je nachdem welches Forstamt man gerade besucht. Da Hessens Wälder so vielfältig sind, findet man eine Fülle an Arten. Während im Norden und Osten Hessens Schwarzstorch, Moore oder Libellen besondere Beachtung finden, wurden im trockenen und wärmeren Süden Mittelspecht, Wiedehopf oder die Äskulapnatter ausgewählt. Bei der Auswahl einer Art oder eines Habitats eines Forstamtes wird genau geschaut: gibt es besondere, seltene oder geschützte Vorkommen in unserem Forstamt? Welche davon sind typisch für die Region? Können Arten von Maßnahmen profitieren, die ursprünglich für eine andere Art durchgeführt wurde? Ein Teich für den Schwarzstorch hilft gleichzeitig vielen weiteren Arten wie Erdkröte, Bergmolch oder verschiedenen Libellenarten. Bäume, die im Umkreis einer Fledermauskolonie nicht mehr weiter genutzt werden, bieten einen hervorragenden Lebensraum für eine Vielzahl an Insekten. Oder die Fällung von Bäumen, die die Abbruchkante eines ehemaligen Steinbruchs beschatten – hier kann nicht nur der Uhu besser an seinen Brutplatz gelangen, auch Eidechsen freuen sich über ein Sonnenbad in luftiger Höhe.

Dokumentation und Kontrolle

Um einschätzen zu können, wo welche Maßnahmen sinnvoll sind, werden die Vorkommen der Patenschaftsarten und der Zustand der Patenschaftshabitate zukünftig aufgenommen und dokumentiert. Unser Förster notiert sich immer, wenn er einen Schwarzstorch im Wald oder auf den umliegenden Wiesen sieht. Zusammen mit seiner Kollegin, die Naturschutzprojekte im Forstamt koordiniert, zählt er in jedem Jahr wie viele Jungtiere im gut versteckten Nest im Wald sitzen. Je besser der Lebensraum für die Art, desto mehr breitet sie sich aus. Die gesammelten Informationen bieten die Grundlage für Maßnahmen und Projekte, die in den kommenden Jahren durchgeführt werden. Zusammen mit vielen weiteren Maßnahmen bilden sie die Grundlage für die Lokalen Naturschutzkonzepte die jedes Forstamt erstellt.

Aber zurück zu unserem Waldteich: Unser Förster ist zufrieden mit der Arbeit des Baggers. Neben einer tieferen Wasserzone gibt es auch einige flachere Bereiche in denen sein Schützling, der Schwarzstorch, zukünftig herumstreifen kann um Nahrung zu finden. Er verabschiedet sich vom Fahrer und erkundigt sich, wo dieser als nächstes Arbeiten wird. Tatsächlich fährt er zu seinen Kollegen ins Nachbarforstamt. Dort soll er Erde aus verschlammten Gräben im Wald räumen. Das Nachbarforstamt hat eine Patenschaft für Auwälder und hofft, so die ursprüngliche Wasserdynamik wieder in Schwung zu bringen!

Ausbietung

12.09.2022

Der Landesbetrieb HessenForst lädt Sie zur Ausbietung von Nadelholz ein. Es handelt sich hierbei um einen Meistgebotsverkaufsverfahren frei Waldstraße.

Bitte beachten Sie die „Besonderen Bedingungen“ und der „AVZB HessenForst.

Der Zuschlag wird grundsätzlich dem höchsten, über den prozentualen Anteil errechneten Durchschnittspreis gewährt. Die Zuschlagserteilung behält sich HessenForst vor.

Mit Gebotszuschlag gilt des Holz als erworben. Im Anschluss wird ein gesonderter Vertrag auf Forstamtsebene erstellt. Danach wird das Holz in einem genau definierten Lieferzeitraum eingeschlagen und die vereinbarten Teilmengen bereitgestellt, sollten diese nicht bereits schon eingeschlagen sein.

Die Abrechnung des Holzes erfolgt nach RVWV Werksmaß oder dem von HessenForst ermittelten Waldmaß.

Die Besichtigung der Bestände während der Ausbietung ist nach Rücksprache mit dem Verkaufsforstamt generell möglich.

Bei Abrechnung über Werksmaß muss eine entsprechende Bürgschaft (Muster HessenForst) mit entsprechender Laufzeit und Höhe hinterlegt werden.

Aktuelle Ausbietungen:

ForstamtBesondere BedingungenMengeBieterzettelÜbersicht Verkaufslose
ReinhardshagenTitelblatt & Besondere Bedingungenca. 14.000 FM trockene Fichte / StockverkaufBieterzettel
WeilrodTitelblatt & Besondere Bedingungenca. 275 FM Fichtenindustrieholz

ca. 130 FM EIchenindustrieholz
Bieterzettel

PM: Ist denn schon Herbst?

01.09.2022

Wassermangel in Hessens Wäldern sorgt für spätsommerlichen Laubabwurf Der anhaltende Wassermangel und die hohen Temperaturen bedeuten einen großen Stress für Bäume. In Bad Hersfeld zum Beispiel hat es laut wetterkontor.de in den Monaten Juni bis Ende August nur ein Drittel so viel Niederschlag gegeben, wie im langjährigen Mittel.

Ein Baum nimmt Wasser durch die Wurzeln und Kohlendioxyd über die Blätter auf und wandelt es mit Hilfe der Sonne in Holz um. Dabei stößt der Baum Wasserdampf und Sauerstoff durch kleine Spaltöffnungen in den Blättern wieder aus. Um nicht mehr Wasser zu verdunsten, als der ausgetrocknete Boden hergibt, verschließt der Baum an heißen Tagen seine Spaltöffnungen, eine reine Lebenserhaltungsmaßnahme. Um schließlich seine Ressourcen zu schonen, stößt der Baum seine Blätter ab. Dadurch kann er aber kein Holz mehr erzeugen, die Jahrringe bleiben schmal.

Normalerweise überlebt ein Baum einen trockenen Sommer ohne Probleme. Mehrere Jahre mit Wassermangel schwächen jedoch die Vitalität der Bäume erheblich. „Die gelegentlichen, kurzen Gewitterschauer haben so gut wie keinen Effekt auf den völlig ausgetrockneten Oberboden“ warnt Michelle Sundermann, Pressesprecherin von HessenForst.

Um den Wald an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen, begründet HessenForst zukunftsfähige Mischwälder mit einer Vielzahl von Baumarten, die auch mit weniger Wasser zurechtkommen. Dazu zählen die Forstleute beispielsweise Eichen, Ahorne, Eschen und Linden aber auch Kiefer und Douglasie. Außerdem setzen die Forstleute auf die natürliche Anpassungsfähigkeit von Bäumen und nicht zuletzt auf die rasche Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Sommerlicher Laubabwurf einer Eiche
(Foto: Jörg Kaffenberger / HessenForst)

PM: Wege für den Wald

22.08.2022

Regionales Natursteinmaterial für unsere Wanderwege und Rückhaltebecken
für das kostbare Wasser in der Klimakrise


Der Landesbetrieb HessenForst pflegt und unterhält fast 13.000 Kilometer Waldwege im
Staatswald. Sie sind nicht nur Zugang für Erholungssuchende, sondern auch notwendige
Infrastruktur für Pflegemaßnahmen im Wald, die Holzernte und für Rettungsmaßnahmen. „Etwa
alle acht bis zehn Jahre setzen wir die Wege instand,“ erklärt Johannes Flikschuh, Leiter von
HessenForst Technik in Bebra: „Dafür verwenden wir ausschließlich regionales
Natursteinmaterial.“ In den Naherholungsgebieten passt der Landesbetrieb die Pflegeintervalle
entsprechend an und verstärkt den Wegekörper mit einem feinen Natursteinmaterial. Doch
Flikschuh sorgt sich um die Zukunft der Waldwege: „Wege und Wasser gehören zusammen.
Einerseits brauchen wir Wasser, weil die Feuchtigkeit für den Wegekörper der Kleber zwischen
den einzelnen Gesteinskörnern ist. Die anhaltende Trockenheit führt dazu, dass die Wegedecken
aufreißen und wir sie häufiger Instand setzen müssen“. Andererseits, erläutert Flikschuh, dass
Wege – je nach Neigung – eine zu rasche Entwässerung von Waldgebieten begünstigen können.
„Darum legen wir seit längerem verstärkt und systematisch Wasserrückhaltebecken an, in denen
sich das Wasser, das von den Wegen abfließt, sammelt, um anschließend langsam zu versickern.
Gerade bei Starkregenereignissen kann dies zu einer wichtigen Abflussverzögerung beitragen“.
Die anhaltende Trockenheit bereitet den Forstleuten Sorge. Besonders auf sandigen oder
steinigen Standorten können Bäume schlicht vertrocknen oder durch das fehlende Wasser so
geschwächt sein, dass sie zur leichten Beute für Schädlinge werden. Absterbende oder kranke
Bäume fallen dann um oder brechen ab.
Flikschuh ergänzt ein weiteres Argument für eine funktionsgerechte Wegeinfrastruktur: „Wenn es
im Wald brennt, müssen die Rettungskräfte mit ihren Einsatzfahrzeugen schnell an den Brandherd
kommen, um zu löschen. Und die Waldbrandgefahr nimmt in den trockenen, heißen Sommern, die
wir immer häufiger erleben, deutlich zu.“

Wildfleisch aus heimischen Wäldern

05.08.2022

Die Sommerzeit ist für viele Menschen Grillzeit. Dabei kommen mittlerweile unterschiedlichste Grillgerichte auf den Rost. Auch Wildfleisch erfreut sich zunehmend größerer Beliebtheit und ist eine interessante Abwechslung. Aber nicht nur zum Grillen ist Wildfleisch geeignet.

Wir wollen Ihnen aus diesem Grund ein kulinarisches Rezept vorstellen, um Ihnen zu zeigen, was man alles leckeres aus Wildfleisch machen kann.

Cervo Tonnato

Cervo Tonnato – Ein Rezept von Katrin von Bodelschwing (Foto: K. von Bodelsching)

Zutaten für 4 Personen

Für das Fleisch:

1 kg Keule vom Reh, Rot- oder Dammwild
2 Möhren
1 Zwiebel
2 Lorbeerblätter
1 Stange Sellerie
3 Gewürznelken
3 Pimentkörner
300 ml Weißwein
2 TL Salz

Für die Soße:

1 Dose Tunfisch im eigenen Saft
4 Sardellenfilets
2 sehr frische Eigelb
1 TL milden Senf
200 ml mildes Olivenöl
Sud
Zitronensaft
Salz, Pfeffer
Karpern

Außerdem:

Rucola
Petersilie
Karpern
Baguette

Zubereitung

Das Gemüse putzen, in grobe Stücke zerteilen und zusammen mit den Gewürzen und dem Fleisch in einen Topf geben, kaltes Wasser dazugeben, sodass das Fleisch gerade bedeckt ist. Nun das ganze zum Kochen bringen, dann erst den Wein hinzufügen und auf niedriger Stufe min. eine Stunde simmern lassen, bis das Fleisch gar ist. Das Fleisch im Sud abkühlen lassen.

Für die Soße die Eigelbe und den Zitronensaft mit dem Pürierstab aufschlagen. Währenddessen tropfenweise das Öl zufließen lassen, bis eine mayonaiseartige Soße entsteht. Den Thunfisch, die Sardellen und die anderen Zutaten hinzugeben und alles miteinander pürieren, auch die Kapern hinzugeben. Von dem abgekühlten Fleischsud so viel hinzugeben, bis die Soße die Konsistenz flüssiger Schlagsahne hat.

Wenn das Fleisch maximal lauwarm ist, mit einem scharfen Messer oder der Aufschnittschneidemaschine in 3mm dünne Scheiben schneiden. Die Scheiben flach auf einem großen Teller ausbreiten und mit der Soße begießen. Danach mindesten eine Stunde im Kühlschrank (besser einen halben Tag) ziehen lassen.

Mit Petersilie oder Rucola garnieren und zusammen mit frischem Baguette und einem Glas Weißwein genießen.

Jagd: was dürfen, können, wollen wir?

25.07.2022

Claus Peter Müller von der Grün im Interview mit Jörg van der Heide

»Jagd, richtig ausgeübt, ist eine wesentliche Voraussetzung für einen stabilen Mischwald der Zukunft«, sagt Jörg van der Heide, Abteilungsleiter Forstbetrieb und Dienstleistung bei HessenForst sowie stellvertretender Leiter des Landesbetriebs. »Vor allem in der Phase der Wiederaufforstungnach den Schäden durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer sind angepasste Wildbestände absolut erfolgsentscheidend. Sind sie nicht angepasst, muss notwendiger Weise jagdlich eingegriffen, sprich durch höhere
Abschüsse reduziert werden.« Denn der übermäßige Wildverbiss behindere oder verhindere die Entwicklung von klimastabilen Mischwäldern, wie sie die Forstwissenschaft empfehle und wie sie HessenForst anstrebe. »Die Pflicht zur Wiederbewaldung nach § 6 des Hessischen Waldgesetzes, die Grundpflichten des § 3 des Hessischen Waldgesetzes und die Grundsätze ordnungsgemäßer Forstwirtschaft stehen im Einklang mit den Vorgaben und Zielen des Hessischen Jagdgesetzes«, erläutert Jörg van der Heide. Ziel sei es nicht, einen möglichst zahlreichen, sondern einen gesunden und artenreichen Wildbestand zu erhalten und dabei die berechtigten Interessen der Land- und Forstwirtschaft zu beachten. Das heißt, die Jagd ist so auszuüben, dass übermässige Wildschäden vermieden werden und die wesentlichen Baumarten sich ohne Schutz verjüngen können. Daraus folge die Pflicht zur Regulation des Wildbestands, ohne die der notwendige Waldumbau und die Wiederbewaldung gar nicht, oder nur mit erheblicher Verzögerung und hohem finanziellen Aufwand zu erreichen seien.

Der Verbiss habe unmittelbare Auswirkungen auf die Bäume, aber auch auf den gesamten Lebensraum Wald. Zunächst mindere der Verbiss den Höhenzuwachs der Bäume und führe zum Verlust an Biomasse und Zuwachs. Besonders gefährdet seien Baumarten wie zum Beispiel Eichen, Edellaubbäume, Weißtanne und Douglasie, die im Waldumbau zum klimaresilienten Wald unverzichtbar seien.

Voraussetzung für den klimastabilen Wald seien ökologisch verträgliche, standortgerechte Kombinationen mehrerer Mischbaumarten und eine möglichst hohe Biodiversität. Der Verbiss mindere die Vielfalt an Baumarten, da er zum völligen Verschwinden – also zum flächigen Verlust – bestimmter Baumarten und damit zur Entmischung führen könne. Das Wild entmische den Wald regelrecht, und das Ziel des klimastabilen Waldes werde nicht erreicht. »Hinzu kommen weitere Auswirkungen auf die Konkurrenzverhältnisse der Baumarten untereinander und auf die Begleitvegetation, die eingehender wissenschaftlich untersucht werden«, schildert Jörg van der Heide.

Der Verlust der Terminalknospe durch Verbiss führt an jungen Bäumen (hier:
Fichte) zu Vitalitäts- und Qualitätseinbußen. (Foto: T. Ullrich)

Allein schon der Umgang mit den großen, freien Waldflächen, die mit und nach den Stürmen entstanden seien, sei eine Herausforderung. Entwickelten sich diese Flächen schrittweise zu Dickungen, werden diese Flächen zu einem »Eldorado für wiederkäuendes Schalenwild und zu einem hervorragenden Wildeinstandsgebiet, um den Nachwuchs aufzuziehen«, warnt Jörg van der Heide. Diese Flächen müssten, rechtzeitig jagdlich erschlossen – also mit Jagdeinrichtungen versehen und durch Schneisen bejagbar gemacht – werden.

»Nun wird nicht mal eben so drauf los gejagt. Die Jagd auf wiederkäuendes Schalenwild, im Schwerpunkt sind das die Rehe und das Rotwild, erfolgt auf der Grundlage behördlich festgesetzter Abschusspläne«, stellt Jörg van der Heide klar. Die Abschussplanung berücksichtige die Ergebnisse des Vorjahres, die Entwicklung von Verbiss- und Schälschäden sowie die Befunde der von den Forstämtern erstellten forstlichen Gutachten. Die frischen Schälschäden werden in einem festgelegten Stichprobenraster erhoben und die jeweiligen Ergebnisse zu Schadprozenten auf Ebene eines Rotwildgebietes zusammengeführt. Als wirtschaftlich akzeptabel gilt eine Schadenquote bei Buchen von maximal 0,5 Prozent im Jahr und bei Fichten von höchstens 1,0 Prozent. »Das klingt wenig«, räumt Jörg van der Heide ein, »aber auf einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren betrachtet, heißt das, dass im Extremfall rechnerisch alle Bäume einmal von Schälschäden befallen worden sind. In Folge der Schälschäden kommt es zum Eindringen von Pilzen und damit zu Fäule. Das Holz verliert an Wert, und der Baum wird mitunter brüchig.« Die Schäden können Waldbestände destabilisieren und führten neben den ökologischen auch zu erheblichen wirtschaftlichen Vermögenschäden. Diese Aspekte müsse die jeweilige Untere Jagdbehörde bei der Festsetzung der vorgelegten Abschussplanvorschläge beachten und die verschiedenen Interessen der Grundeigentümer, Jäger, Förster, Landwirte und des Naturschutzes untereinander abwägen. »Am Ende wünschen wir uns für jeden Jagdbezirk einen transparent festgesetzten Mindestabschuss, der es uns erlaubt, die für den gewünschten Waldzustand nötigen Effekte zu erzielen«, schildert Jörg van der Heide seine Erwartungen an das Verfahren. Dies gelinge zunehmend besser und entwickele sich in die richtige Richtung. 2011 noch wurden bei HessenForst je 100 Hektar Wald 5,3 Rehe erlegt, 2012 waren es 6,5 und heute sind es fast 10. »Damit kommen wir in einen Bereich, in dem die Regulation überhaupt erst beginnt, wirksam zu werden«, beurteilt Jörg van der Heide die Entwicklung. Die Frage, warum dies gelinge, beantwortet er mit drei Gegenfragen: »Dürfen wir? Können wir? Wollen wir?« Und freilich sollten wiederum alle drei Gegenfragen in der Praxis mit einem »Ja« beantwortet werden.

In Folge von Schälschäden dringen Pilze ins Holz junger Bäume ein. Sie verändern die Holzeigenschaften, verursachen Verfärbungen oder destabilisieren das Holz. Es verliert an Wert. (Foto. T. Ullrich)

Das »Dürfen« lege der Gesetzgeber fest. Dieser habe das Regelwerk (Jagdverordnung, SchalenwildRL) angepasst und die Bestimmungen über Jagd sowie Schonzeiten neu festgelegt. Früher durften z.B. Rehböcke nur zwischen dem 16. Mai und 15. Oktober bejagt werden, heute zwischen dem 1. April und dem 31. Januar des folgenden Jahres, nennt Jörg van der Heide ein Beispiel.

Das »Können« schließe das »Wissen« ein. Es gehe nicht nur um technische Innovationen wie den Einsatz von Wärmebildtechnik und Klettersitzen, sondern auch um die Berücksichtigung wildbiologischer und methodischer Erkenntnisse. Das Wissen auf dem aktuellen Stand zuhalten, bleibe eine Daueraufgabe. Heute werde das Konzept der Intervalljagd mit zeitlicher und räumlicher Schwerpunktbejagung im April und Mai, einer Pause im Juni und Juli, und einer Wiederaufnahme der Jagd im August verfolgt. Jagdeinrichtungen stehen nicht mehr nur an Schneisen und freien Flächen, die das Wild – weil hell und ohne Deckung – als Gefahr empfinde und schnell überquere, sondern an strukturreicheren Standorten, die dem Wild Sicherheit vermittelten und wo es langsamer ziehe. Die Bewegungsjagden haben sich nach Jörg van der Heides Worten in Ihrer Qualität ebenfalls erheblich weiterentwickelt. Anstatt menschlicher Treiber, die ein Gebiet einmal durchkämmen, werden heute Hunde eingesetzt, die die Fläche immer wieder großräumig und systematisch absuchen. Schon die Auswahl der Hunde und deren Zahl werde vor Beginn der Jagd bedacht.

Das »Wollen« spielt für Jörg van der Heide die vermutlich größte Rolle. Die Zahl der geforderten Abschüsse wurde kontinuierlich erhöht und Abschusspläne wurden großräumig in Gruppen oder ganzen Hegegemeinschaften zusammengefasst. »Vor allem aber«, beschreibt Jörg van der Heide den Wandel, »haben wir die Jagd mehr und mehr aus ihrem tradierten Wertemustern gelöst und sie von selbstgesetzten Beschränkungen befreit. Fragen wir uns heute, was unser Auftrag ist, so stellen wir
fest: unser Auftrag ist es, den Wald mit all seinen Wirkungen zu erhalten, den klimarobusten, stabilen Mischwald zu pflegen, zu schützen und zu entwickeln, ihn nachhaltig zu bewirtschaften. Dazu braucht es einen professionellen Jagdbetrieb auf fundierter wildbiologischer Grundlage und einen selbstkritischen Blick für die mit der Jagd selbst verbundenen Auswirkungen auf das Verhalten der Wildtiere im Ökosystem Wald, damit Wald mit Wild eine Zukunft hat «

Der Wald hat 36 neue Forstwirte

21.07.2022

Feierliche Verabschiedung im Forstlichen Bildungszentrum

Dr. Hendrik Horn überreichte 36  „frischgebackenen“ Forstwirtinnen und Forstwirten aus ganz Hessen nach bestandener Prüfung Anfang Juli ihre Urkunden und Abschlusszeugnisse. Sein besonderer Dank galt allen, die die Auszubildenden auf ihrem Weg zum erfolgreichen Abschluss begleitet und diese unterstützt haben. An den Feierlichkeiten nahmen auch der Regionalleiter der Region Mitte und Vorsitzende des Lenkungsgremiums Personal von „HessenForst“ Harald Dersch, die Mitglieder des Prüfungsausschusses sowie Vertreter der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg teil, mit der das Forstliche Bildungszentrum (FBZ) im Rahmen der Forstwirtausbildung kooperiert.

(Foto: HessenForst)

Harald Dersch betonte die Bedeutung des Forstwirtberufs gerade in der heutigen Zeit, in der die Wälder unter Wassermangel und Krankheiten leiden und stark angegriffen sind. „Wir stehen vor großen Aufgaben und müssen den Anforderungen im Wald fachlich gut begegnen, daher brauchen wir Sie, wir brauchen Ihre Fachkompetenz!“, betonte der Regionalleiter. Der Wald sei für alle wichtig, sowohl in seiner Funktion als Lebens- und Freizeitraum, aber auch in seiner ökologischen Bedeutung. Abschließend konnte Dersch verkünden, dass „HessenForst“ allen staatlichen Prüflingen, die einen Abschluss mit einem Notendurchschnitt bis 3,49 erreicht hätten, ein Übernahmeangebot machen würde, aber auch für die nicht staatlichen Auszubildenden gäbe es im Zuge nachfolgender Ausschreibungen Chancen auf Stellen bei HessenForst. Den Klassenbesten Theresia Heßling, die ihre Ausbildung mit der Durchschnittsnote 1,43 abgeschlossen hat und damit auch Jahrgangsbeste war, sowie Felix Muth, der es auf einen Schnitt von 1,59 brachte, wurde als Anerkennung für ihre gute Prüfung traditionsgemäß eine Forstaxt mit persönlicher Gravur verliehen.

Waldbrandgefahr

18.07.2022

Hohe Waldbrandgefahr

Angesichts des heißen Wetters besteht hohe Waldbrandgefahr in Hessen.

Außerhalb der ausgewiesenen Grillstellen darf kein Feuer entfacht werden. Auf den Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und das Feuer beim Verlassen des Grillplatzes richtig gelöscht wird. Für die im Einzelfall erforderliche Schließung von Grillstellen in besonders brandgefährdeten Waldgebieten bzw. Waldrandbereichen wird bereits jetzt um Verständnis gebeten.

Waldbrandgefahr geht ebenfalls von liegen gelassenen Flaschen und Glasscherben, aber insbesondere auch entlang von Straßen durch achtlos aus dem Fenster geworfenen Zigarettenkippen aus. Alle Waldbesucherinnen und –besucher bitten wir zudem, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. Pkws dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen.

Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich nicht gestattet.

Bei Waldbrand: 112
Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) zu informieren.

Klima im Wandel! Jagd im Wandel?

Wildtiermanagement für den Wald der Zukunft

Claus Peter Müller von der Grün im Interview mit Prof. Dr. Niko Balkenhol

Der Mensch nimmt – zumal im Anthropozän – auf vielfältige und komplexe Weise Einfluss auf das gesamte Ökosystem und mithin auch auf den Wald, die Offenflächen und den Wildbestand; und
ohne Frage ist die Jagd ein Instrument des Wildtiermanagements und mittelbar des Waldbaus. Aber die Vorstellung, allein mit der Jagd die Wildbestände regulieren zu können, ist aus wissenschaftlicher Sicht äußerst diskussionswürdig. Sicherlich hat die Jagd einen Einfluss auf die Entwicklung von Wildbeständen, doch kann dieser von vielen komplexen und interagierenden Faktoren überlagert werden. Teilweise wissen wir noch zu wenig über diese komplexen Zusammenhänge, um mit hinreichender wissenschaftlicher Genauigkeit verlässliche Aussagen über die Jagd als wirksames waldbauliches Instrument treffen zu können. Weitere Forschung ist dringend nötig und vor allem eine Erfolgskontrolle im bisherigen Wildtiermanagement ist essentiell. Das ist das Fazit eines Gesprächs, mit Prof. Dr. Niko Balkenhol über die Frage nach der »Jagd im Klimawandel«.

Der Austausch mit dem Wissenschaftler ruft die Erkenntnis in Erinnerung, dass unsere Kulturlandschaft schon seit so langer Zeit vom Menschen geprägt wird, dass der anthropogene Einfluss aus unserem Ökosystem nicht mehr wegzudenken ist. Erkenntnisse, die in der weithin unberührten Natur Nordamerikas oder des nördlichen Skandinaviens über das Leben von Wildtieren und deren Rückkehr in die Natur gewonnen werden, können wir daher nicht oder nur bedingt auf die mitteleuropäische Kultur-
landschaft übertragen, berichtet Balkenhol. So wird zum Beispiel der Wolf, der nach Deutschland zurückkehrt, seinen Hunger nicht allein an Wildtieren stillen, sondern auch an Weidetieren, die ihm hier – im Gegensatz zu weniger vom Menschen genutzten Landschaften – gleichsam dargeboten werden.

Lebensräume veränderten sich vielerorts innerhalb kürzester Zeit grundlegend. (Foto: K. Bartsch)

Das Reh- und Schwarzwild, beschreibt Balkenhol eine von vielen Wechselwirkungen, seien Gewinner der modernen Kulturlandschaft. Bis zur Revolution 1848 sei das Rehwild eher selten gewesen. Doch die im
historischen Verlauf zunehmend ertragsoptimierte Landwirtschaft biete nicht nur dem Wild mehr Nahrung, sondern begünstige mit dem Stickstoffeintrag in die Natur auch das Wachstum des Waldes. Im Rückblick auf die vergangenen 100 bis 150 Jahre nehme in ganz Europa die pflanzliche Biomasse zu, und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werde immer mehr Strecke gemacht. Dies liege einerseits daran, dass es tatsächlich mehr Wild gebe, aber auch daran, dass in vielen Teilen Europas das Schalenwild dezimiert werden soll und daher immer stärker bejagt werde. Doch allein die stärkere Bejagung führe nicht zu einem Rückgang der Populationen.

Der Eingriff des Menschen ins globale Ökosystem verändert das Klima. Der Klimawandel hat wiederum direkte und indirekte Effekte auf den Lebensraum der Wildtiere und damit auch auf deren Populationen.
Die Winter werden wärmer und die Übergangszeiten milder. Der Klimawandel lässt die »Wintermortalität« unter den Wildtieren sinken, obschon es dazu kaum valide Zahlen gebe, wie Balkenhol eine der ungezählten ausstehenden Forschungsaufgaben im Gespräch anklingen lässt. Auch die Entwicklung der Pflanzen nach der Winterpause setze heute je nach Region um zehn bis 30 Tage früher ein, womit den
Wildtieren und ihrem Nachwuchs immer früher im Jahr ein größeres Nahrungsangebot zur Verfügung stehe. Schon habe sich der »Setzzeitpunkt« beim Rotwild verschoben: Hirschkühe in Schottland bringen den Nachwuchs heute etwa zwei Wochen früher zur Welt, als noch in den 1980er Jahren. Indirekte Effekte auf die Wildtierpopulation haben die extremen Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme, Dürre und die Folgen des Schädlingsbefalls. Auf den großen Schadflächen ist die Bejagung zunächst oft erschwert, gleichzeitig stellt sich rasch eine Naturverjüngung ein, die dem Wild beste, relativ holzfreie Nahrung bietet. Untersuchungen aus dem Nationalpark Bayrischer Wald zeigen nach Balkenhols Worten, dass diese Veränderung des Lebensraums keinen Kurzzeiteffekt nach sich zieht, sondern die Schadereignisse
für das Rotwild zu einer Lebensraumverbesserung für mindestens 25 Jahre führen. Nicht allein wegen des schon seit mehr als hundert Jahren verbesserten Nahrungsangebots für die Wildtiere, sondern auch
wegen der direkten und indirekten Effekte des Klimawandels werden die Wildtierbestände also weiterhin wachsen, folgert Balkenhol.

Die Jagd, sagt der Wissenschaftler, werde sich darauf einstellen müssen, denn ohne Jagd seien die waldbaulichen Ziele eines klimaresilienten Mischwalds nicht zu erreichen. Die Jagd wiederum, fordert
Balkenhol, sei umfassender als bisher zu betrachten und zu gestalten. Es gehe um Wildtiermanagement. Es gelte, »die Tiere in Raum und Zeit zu steuern«. Die Jagd sei nur eines von vielen Instrumenten im Wild-
tiermanagement. Auf bestimmten Flächen, auf denen zum Beispiel aufgeforstet wird, sei das Wild intensiv zu bejagen. Das Wild müsse das Mortalitätsrisiko realisieren. Balkenhol spricht von einer »Landschaft
der Angst«. Zugleich sollten dem Wild aufweniger sensiblen Flächen sowie außerhalb des Waldes Ruheräume zum Ausweichen gewährt werden. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz werde zum Beispiel Rotwild intensiv im Wald bejagt, die umliegenden Offenlandflächen dienten als jagdfreier Entlastungsraum. Aufgrund des räumlich heterogenen Jagd drucks verlässt das Wild den Wald und nutzt stattdessen die naturschutzrelevanten Offenflächen, die durch die Fraßeinwirkung noch gefördert werden. Das bedingt eine »Win-Win«-Situation für Wild und Artenschutz. Balkenhol spricht von einer »Raumplanung« für die Wildpopulationen, die weit über den Wald hinausgeht.

Mithin fordert der Wissenschaftler die Plastizität oder Lernfähigkeit der Wildtiere ins Kalkül zu ziehen. Die Tiere realisieren eine Gefahr und geben das Wissen teilweise auch an die nachfolgende Generation
weiter. Im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee befasste sich eine Studentin in ihrer Masterarbeit mit Störversuchen. Sie hat Rotwild mit Sendern ausgestattet und festgestellt, dass Besucher, die auf den
Wegen bleiben, die Tiere nicht aus der Ruhe bringen. Bleiben die Menschen aber nicht auf den Wegen und bewegen sich in Richtung der Tiere, setzt das Rotwild zu einer teils kilometerweiten Flucht an. Außerdem meidet das Rotwild tagsüber die Nähe zu Wegen. Somit beeinflussen nicht nur Jäger
und ihre Waffen das Verhalten von Wildtieren, sondern auch Waldbesucher, und insbesondere dann, wenn diese sich nicht an das Wegegebot halten.

Tiere ändern ihre Lebensweise und passen sich an veränderte Umweltbedingungen an. Die Amsel ist schon seit Dekaden kein scheuer Waldvogel mehr, Hasen leben nicht nur auf steppenähnlichen Flächen,
sondern auch im Wald, Wildkatzen leben nicht nur im Wald, wie man früher dachte, und Rehwild frisst nach neuen Erkenntnissen wesentlich häufiger Gräser, als dies in alten Textbüchern beschrieben wird.
Unverzichtbar ist es aus Sicht des Wildtierwissenschaftlers Balkenhol, ein Erfolgsmonitoring im Wildtiermanagement aufzubauen, damit vermeintliches Wissen und Forschungshypothesen in der mit Emotionen und tradierten Vorstellungen hoch aufgeladenen Jagd endlich verifiziert oder falsifiziert werden können.

Schließlich, räumt Balkenhol ein, sei im Wildmanagement auch der unmittelbare anthropogene Faktor, der Einfluss und das Verhalten des Menschen zu berücksichtigen. Unter den Jägerinnen und Jägern vollziehe sich ein Einstellungswandel. Immer mehr junge Menschen jagten nicht der Trophäen wegen, sondern weil sie zu Fleisch gelangen wollten, das nicht aus einer für sie fragwürdigen Massentierhaltung stamme. Und die Waldeigentümer – wie die Landesforsten – sollten sich fragen, ob das Erzielen einer hohen Pachteinnahme für ein bestimmtes Revier das richtige strategische Ziel sei, oder ob eine waldbauliche
Zielsetzung der Jagd in der Gesamtschau nicht den weit größeren Gewinn für den biodiversen, klimaresilienten und nachhaltig bewirtschafteten Wald und damit auch für die Staatskasse bringe.

Mähwiesen im Wald zeigen den Einfluss des Menschen auf das Ökosystem. (Foto: C. Conradt)